Ich schaffe mir die Flexibilität, Aufgaben verschieben zu dürfen, und das tut mir gut
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Seit Jahren plane ich vor Beginn einer neuen Woche immer die kommende durch. Ich mag es, mir einen Überblick über das zu verschaffen, was ansteht und was ich gerne erledigen möchte. Früher habe ich teilweise jede Minute verplant, sodass ich keine Zeit ungenutzt ließ. Rein faktisch ist das optimal, in der Realität jedoch leider nicht. Im Alltag kommt es oft zu Veränderungen. Wir sind keine Maschinen. Unsere Energie variiert und auf viele äußere Umstände haben wir keinen Einfluss. Es war immer stressig, bei spontanen Änderungen alles umplanen zu müssen. Immer sagte ich mir, dass mein System ab nächster Woche aufgehen würde, denn diese minutengenaue Aufteilung war jetzt perfekt. Woche für Woche enttäuschte ich mich aufs Neue und brauchte Jahre, bis ich realisierte und vielmehr akzeptierte, dass ich ein Mensch und keine Maschine bin.
Irgendwann hatte ich damit begonnen, immer mehr aus meinem Kalender zu entfernen. Zunächst schaffte ich mir mehr Freiraum, indem ich nur noch die wirklich wichtigen Aufgaben fest plante. Irgendwann lockerte ich zudem meine Sportzeiten. Ich gab mir Zeiträume, in denen ich es machen kann, statt einen festen Zeitpunkt.
Heutzutage habe ich ausschließlich Termine, Arbeitszeiten, vernünftige Schlafenszeiten sowie Routinen zum Aufstehen und Schlafengehen im Kalender stehen. Der Rest vom Tag bleibt frei und diesen Rest nutze ich täglich flexibel für Aufgaben. Manchmal habe ich Aufgaben, die ich an einem Tag schaffen möchte und daher als ein Muss betrachte. Wann genau am Tag, ist mir dann egal.
Ich bin sehr flexibel geworden, wenn sich spontane Dinge ergeben oder ich etwas ändern muss. Der heutige Tag zeigte mir, wie viel mir dieser Freiraum, diese Flexibilität schenkt. Eigentlich stand nur ein kurzer Termin an sowie Arbeit am Computer für ein paar Projekte. Stattdessen haben sich zusätzlich folgende Dinge entweder gestern für heute oder tatsächlich heute ergeben:
- Der Maler, der sich um die Isolierung von Flecken an meinen Wänden durch einen Wasserschaden kümmert, konnte noch vorbeikommen
- Als mich ein Freund fragte, ob ich spontan Zeit für zwei Stunden Billard hätte, habe ich zusagen können
- Mit meinem Date habe ich eine halbe Stunde lang zwischendrin telefonieren können
- Mit meiner Mutter bin ich ebenfalls ins Gespräch gekommen
- Und mit einer Freundin hat sich ein wertvolles Telefonat mit einer Länge von drei Stunden und 37 Minuten
Ursprünglich hatte ich mehr als genug Zeit für meine Projekte. Zum Ende des Tages hin, jedoch dann zu wenig durch diese Spontanitäten. Allerdings wusste ich, dass nichts zu sehr eilt, und ich kann auch die kommenden Tage dafür nutzen. So erlaubte ich mir heute doch noch, eine unglaubliche Menge zu erleben.
Wenn es um wichtige, lebensabhängige Dinge geht, dann sollten diese auch durchgetaktet sein. Für alles andere jedoch, was keine Eile hat, werde ich mich nicht mehr abhetzen. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich es noch machen werde. Entspannter mit Aufgaben umzugehen, gibt mir mehr, als es mir nimmt.
Ich danke euch, meine Lieben, für die schöne Zeit, die ich heute mit euch teilen durfte

