Über eine Entscheidung, die ich in einem luziden Traum getroffen habe
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Während meiner Schulzeit habe ich einen Menschen, ein Mädchen, sehr bewundert. Ich habe oft zu ihr aufgesehen und war beeindruckt davon, was sie alles leistete. Unzählige Projekte, Freiwilligendienste, und sie war Klassen-, wenn nicht sogar Jahrgangsbeste. Insgesamt hatten wir nicht viel miteinander zu tun gehabt. Jedoch gab es jährlich eine Schulveranstaltung, an der wir beide teilgenommen haben: Die lange Nacht der Mathematik. Eine Veranstaltung, bei welcher wir Schüler in der Schule übernachtet hatten, um Matheaufgaben zu lösen, die weit über unserem jeweiligen Niveau liegen. Es war ein bundesweiter Wettbewerb und wir hatten über die Jahre einige nette Momente miteinander geteilt.
Heute habe ich mich für ein Nickerchen hingelegt und hatte einen luziden Traum. Ich habe keine komplette Kontrolle über die Umgebung und Personen in meinen Träumen, aber dafür komplette Kontrolle über mich selbst. Solche Träume habe ich nicht allzu oft, in letzter Zeit jedoch immer öfter. Und heute bin ich ihr, diesem Mädchen von damals, mittlerweile Frau, in diesem luziden Traum begegnet.
Ich hatte ein Gebäude betreten. Ich sah viele Menschen, und doch stach ihre Silhouette aus der Masse so sehr heraus. Ich realisierte sofort, dass sie es ist. In diesem Moment habe ich die Kontrolle im Traum gehabt. Ich ging zu ihr hin, sagte ihren Namen und fragte sie, was sie hier in Essen macht. Ursprünglich kommen wir beide aus Osnabrück und haben uns seit mittlerweile sieben oder acht Jahren nicht mehr gesehen. In diesem Traum erzählte sie mir davon, dass sie einen Szenenwechsel brauchte und dafür in den Ruhrpott gezogen ist. Dann erzählte ich ihr, wie sehr ich sie immer für alles bewunderte, und kurz darüber, welche Schwierigkeiten ich in meiner Jugend hatte, die mich solche Dinge nicht umsetzen ließen, und wie ich mich in den letzten Jahren ins Bessere entwickelt habe. Wie ich immer mehr zu dem Menschen geworden bin, der ich immer sein wollte. Als sie erwiderte, wie sehr es sie freut, bemerkte ich erste Veränderungen in ihrem Verhalten. Sie begann darüber zu erzählen, dass sie noch neu in der Gegend sei. Sie kennt hier niemanden und freut sich, ein altes Gesicht in neuer Frische wiederzusehen. Ob wir nicht Zeit miteinander verbringen möchten, fragte sie mich. Nachdem ich zunächst enthusiastisch mit „Ja, liebend gerne! Ich freue mich auch sehr, dich wiederzusehen“, antwortete, wurde die Veränderung in ihrem Verhalten immer deutlicher. Sie spielte viel mit ihrem Blick und ihrer Körpersprache, als sie mir dann sagte: „Wir könnten uns auf einen Starbucks treffen. Das ist ja ein klassischer Weg, miteinander auszugehen.“
Daraufhin wurde mir sehr mulmig und scheinbar habe ich es nach außen hin gezeigt. Sie sprach mich auf diesen plötzlichen Stimmungswechsel an und fragte, ob alles in Ordnung sei. Für ein Kaffee, ein Date, bin ich nicht offen, erwiderte ich, und bat sie, dass wir es nicht so machen. Sie entschuldigte sich dafür, zu überstürzen. Jedoch würde sie sich freuen, sich dennoch einfach so mit mir zu treffen und über die alten Tage und die vergangenen Jahre zu quatschen. Damit bin ich in Ordnung, aber wirklich auch nur damit. Dann bin ich aufgewacht und der Traum war vorbei.
Ich hatte in diesem Traum komplette Kontrolle über meine Handlungen und diese Frau hat sich offensichtlich für mich interessiert. Jahrelang hätte ich alles dafür gegeben, dass jemand ein solches Interesse an mir zeigt. Mit mir ausgehen und mich kennenlernen möchte. Also, warum war ich damit nicht in Ordnung? Warum entschied ich mich dagegen?
In der Realität bin ich aktuell eine großartige Frau am Kennenlernen, und in diesem Traum habe ich realisiert, dass ich keinerlei Bedürfnis habe, eine andere Person zu daten. Die Gespräche und Momente, die wir miteinander teilen, was ich von ihr lerne und wie besonders sie mich fühlen lässt, ist alles so unglaublich schön. Sie ist mir über die letzten Monate sehr wichtig geworden und es ist das erste Mal, dass ich mir wahrlich vorstellen kann, mit jemandem eine gemeinsame Zukunft zu haben.
Danke, dass du in meinem Leben bist. Du schenkst mir so viel

