Wenn Gäste ihre (Teil-)Schuld nicht eingestehen können
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Ein klitzekleiner Bestandteil meiner Arbeit ist es, Aschenbecher zu leeren. Es ist nichts, was ich gerne mache oder was in irgendeiner Art besonders ist, aber es gehört nun mal mit zu meinen Aufgaben. Bei dem einen Becher steckt einer seinen Müll mal mit rein, beim anderen werden Feuerzeuge und leere Schachteln daneben liegen gelassen.
Heute bei Schichtende kam mein Arbeitskollege auf mich zu und erzählte mir etwas, was ich sehr absurd finde: Eine Frau sei kurz vorher auf ihn zugekommen und hätte aus dem Nichts gemeint, dass der andere Kollege, also ich, ihre noch nicht leere Zigarettenschachtel mit Absicht weggeschmissen hätte.
Daraufhin verteidigte er mich zunächst. Zum einen, weil man vor Gästen seine Kollegen nicht kritisiert. In einem solchen Moment sitzen wir im gleichen Boot und gehen mit der Entscheidung und den Taten der anderen mit. Im Nachhinein kann man erneut unter vier Augen darüber reden und Kritik geben. Und zum anderen, weil es unter anderem mein Job sei, Flächen freizuhalten und Aschenbecher zu leeren. Mein Kollege sagte ihr daraufhin, dass sie auf ihre Sachen besser hätte aufpassen sollen. Sie hätte dies nicht eingesehen und mir die volle Schuld gegeben.
Ich stimme meinem Kollegen, der wohlgemerkt selbst raucht, hierbei nur zu: Sie hätte besser auf ihre Sachen aufpassen sollen. Die meisten Zigarettenschachteln, die ich finde, sind leer, und wenn ich merke, dass sie gefüllt sind, lasse ich sie oftmals noch liegen. Das hat sich jedoch noch nie ausgezahlt, weil diese Schachteln zum Schichtende immer, mit Inhalt, an derselben Stelle liegen gelassen wurden.
Normalerweise würde ich mich schuldig dafür fühlen, dass ich jemandes Sachen beschädigt oder fälschlicherweise entsorgt hatte. Aber Tatsache ist: Es waren Zigaretten, etwas, womit jemand aktiv seiner Gesundheit schadet, und ich habe lediglich meinen Job gemacht. Dass sich jemand so sehr darüber aufregt und zusätzlich die Schuld komplett auf mich schieben möchte, finde ich ernsthaft traurig. Es wäre etwas anderes, wenn sie ihre Teilschuld eingesehen hätte, aber so empfinde ich keinerlei Mitleid.
Bitte passe künftig besser auf deine Sachen auf und konzentriere dich darauf, was du hättest besser machen können

