Über die letzten sechs Tage mit meinem Date

Die Zeit tat uns gut und es wird wie folgt weitergehen:


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712 Wörter

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Im September 2025 bin ich einer tollen Frau begegnet. Allgemein bin ich im vergangenen Jahr vielen tollen Menschen begegnet, aber zu ihr habe ich mich schnell hingezogen gefühlt. Wir trafen uns ursprünglich nur, um ein Gespräch weiterzuführen, welches wir beim Vorbeistolpern aneinander begonnen hatten. Nach diesem Treffen musste ich schnell feststellen, dass sie es mir angetan hat.

Ein paar Tage später sahen wir uns wieder und bei diesem Treffen wollte ich für mich herausfinden, ob ich sie tatsächlich näher kennenlernen möchte. Genau das durfte ich für mich feststellen, und so sagte ich ihr zum Ende hin, dass ich „unser nächstes Treffen gerne als Date bezeichnen möchte”, und die Idee empfand sie ebenfalls als eine schöne.

Mittlerweile sind über drei Monate seit diesem Abend vergangen. Wir haben einiges an Zeit miteinander verbracht und tolle Momente geteilt. Die letzten eineinhalb Monate jedoch waren etwas schwierig. Unser beider Alltag war voll und wir fanden kaum Zeit, uns zu sehen, geschweige denn etwas zu unternehmen. In diesem Zeitraum merkte ich (und ich glaube sie auch), dass wir wieder mehr Zeit miteinander brauchen. Zeit, um uns noch besser kennenzulernen und gemeinsame Interessen zu finden. Zeit, um herauszufinden, inwiefern es mit uns weitergeht und eine Beziehung Sinn ergibt.

Am 30.12. trafen wir uns spontan. Als wir über Silvesterpläne sprachen, teilte ich ihr mit, dass ich für den Abend nichts geplant hatte. Sie wollte mich jedoch nicht alleine lassen und hat so ihr eigentliches Vorhaben aufgelöst. Auch wenn sie es nicht so kommunizierte, glaube ich, dass sie hierbei eine Möglichkeit gesehen hat, wie wir beide mal wieder länger Zeit miteinander verbringen können. Ich glaube, dass auch sie uns beiden die besten Chancen geben möchte, um herauszufinden, was sich zwischen uns entwickeln könnte. Wenn dem so ist, weiß ich das extrem zu schätzen und es lässt mich nur noch besser über sie denken.

An Silvester übernachtete sie bei mir, und was wir beide noch nicht wussten, war, dass das die folgenden Nächte auch so weitergehen würde. Jeder Tag führte aufs Neue dazu, dass wir den nächsten mit dem jeweils anderen verbringen wollten, und es war eine wirklich wertvolle Zeit.

Wir haben bereits zuvor über viele Dinge sehr offen gesprochen und das andauernde Beisammensein über die vergangenen Tage, hat uns einander nur noch weiter öffnen und kennenlernen lassen. Wir sprachen unter anderem über unsere allgemeinen Vorstellungen bzgl. Heiraten, Kinder großziehen und sogar über sexuelle Erfahrungen und Vorlieben.

Mir hat es sehr geholfen, über all solche Dinge mit ihr zu reden. Ich verstehe sie nun besser und mich selbst auch um einiges. Ein paar Unterschiede in unseren Vorstellungen und Ansichten sind jedoch aufgekommen. Die wohl größte Sache ist, dass sie keine natürliche Geburt haben möchte. Ausschließlich Adoption würde für sie infrage kommen.

Bisher habe ich Adoption immer nur als Option für diejenigen gesehen, die keine Kinder bekommen können. Für jeden, den es nicht betrifft, habe ich eine natürliche Geburt immer als die erste und einzige Wahl gesehen. Aber bei ihr ergibt es Sinn. Sie hat Skoliose, eine Rückenverkrümmung, die sie in manchen Aktivitäten einschränkt und ihr in vielerlei Situationen wesentlich intensivere Schmerzen bereitet, als bei anderen Leuten. Eine Schwangerschaft, gar Geburt, wäre für sie wahrscheinlich das allergrößte Leid, und wer weiß, was für Folgen sich daraus noch ergeben könnten. Ich glaube nicht, dass ich gegen eine Adoption wäre, nur habe ich nie darüber nachgedacht.

Jetzt heißt es für uns beide nachzudenken, über Gesagtes zu reflektieren und weiter Zeit miteinander zu verbringen. Wir sagten einander, dass wir in drei Monaten erneut über uns und unsere Zukunft sprechen werden. Wahrscheinlich wird es dann sogar der Zeitpunkt, an dem wir eine Entscheidung treffen.

Ich werde die nächsten Monate sehr bewusst nutzen. Wie erwähnt, ist es das erste Mal, dass ich jemanden am Daten bin und zugleich eine gemeinsame Zukunft so greifbar erscheint. Auch, wenn ich mir noch Zeit zum Nachdenken nehmen werde und sie vermutlich sogar brauche, glaube ich, dass ich mit dem Thema Adoption in Ordnung bin. Ich weiß noch nicht, ob es sich für mich richtig anfühlt, aber ich denke, ich kann behaupten, dass es sich für mich nicht falsch anfühlt.

Danke für unsere bisherige gemeinsame Zeit. Ich habe durch dich so viel gewonnen und bin gespannt, wo wir in drei Monaten stehen werden