Über Freundschaft, kleine Gesten und das Gefühl, helfen zu dürfen
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Ich bin sehr dankbar für zwei Menschen in meinem Leben. Die beiden sind ein Paar und haben mich über die Jahre oft unterstützt. Unter anderem bei zwei Umzügen, sie kauften für mich ein, als ich einmal sehr krank war, sie schenken mir oft ein offenes Ohr und über die Jahre teilten wir einige schöne Momente miteinander.
Leider kommt es selten dazu, dass sie meine Unterstützung brauchen. Natürlich freue ich mich darüber, dass die beiden einander haben und immer ihr jeweils erster Ansprechpartner sind, aber ich wünsche mir manchmal, ich könnte öfter etwas für sie tun. Nicht, weil ich denke, dass ich in ihrer Schuld stehe, sondern, weil es mir wichtig ist, meinen Engsten gelegentlich auszuhelfen.
Heute wurde ich auf der Arbeit von den beiden angerufen. Sie haben bereits seit einiger Zeit mit einem Schimmelproblem im Schlafzimmer zu kämpfen, um das sich die Hausverwaltung nicht besonders gut kümmert. In den letzten Tagen ist es damit sehr ausgeartet und zu Hause zu bleiben wird bald zu einem Gesundheitsrisiko für sie. Die beiden fühlten sich auch nicht besonders gut.
Neben mir waren sie auch dabei andere im Bekanntenkreis zu kontaktieren, um ihre Optionen einzuholen bzgl. Arbeiten an der Wohnung oder möglichen Übernachtungsplätzen. Ich antwortete ihnen, dass beides kein Problem sei, ab 18:30 Uhr wäre ich heute frei.
Vor 18:30 Uhr hat sich für mich spontan noch ein wenig Zeit ergeben. Die beiden wohnen nicht zu weit weg von mir und vielleicht kann ich ihnen mit einer halben Stunde irgendwie aushelfen, dachte ich mir. Also rief ich an. Zunächst sagten sie, sie bräuchten nichts und bedankten sich.
Eine Minute später jedoch riefen sie mich nochmal an. Ihnen fiel ein, dass diese halbe Stunde perfekt wäre, um ihnen Medikamente zu besorgen. Seit dem letzten Hören vor ein paar Stunden, ging es ihnen schon um einiges schlechter und sie wollten nicht das Haus verlassen, wenn es anders geht. Heute ist zwar Sonntag, aber sie erzählten mir von einer Apotheke aus der Umgebung, die Notfalldienst leistet. Also machte ich mich auf den Weg, kaufte ein und brachte ihnen die Medikamente vorbei.
Zum Abend hin habe ich von ihnen nichts mehr gehört. Sie scheinen wohl erstmal zurechtzukommen.
Diese halbe Stunde hätte ich eigentlich ziemlich gut für mich gebrauchen können, aber ich bin froh, die beiden dann nochmal angerufen zu haben. Auch, wenn ich mir dachte, dass diese 30 Minuten ihnen vielleicht gar nichts bringen werden, haben sie damit doch etwas anfangen können. Endlich habe ich sie mal unterstützen können!
Mir ist es wichtig, dass meine engsten Menschen wissen, dass ich für sie da bin. Ich erinnere jeden dieser Leute immer mal wieder daran, indem ich meine Hilfe aktiv anbiete. Eine Tat wie heute jedoch, bei der ich aus meinem Weg gehe, mich proaktiv melde und tatsächlich Unterstützung biete, hat einen ganz anderen Effekt.
Ich hoffe, ihr beiden wisst, dass ich für euch da bin und sein werde.
Hab euch lieb

