Ich musste auf der Arbeit jemanden verpetzen

Ich hatte aktiv Diebstahl mitbekommen


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In meinem Blog anonymisiere ich immer, außer eine Person präsentiert sich aktiv in der Öffentlichkeit. Beim Anonymisieren verwende ich normalerweise Oberbegriffe, wie z.B. Arbeitskollege und ggf. Arbeitskollegin, je nachdem, welche Geschlechtsform am ehesten zutrifft. Doch in dieser Geschichte geht es um etwas sehr Vertrauliches. Ein Thema, bei welchem ich zu meinem Schutz sowie dem des betroffenen Individuums nicht einmal Geschlechtsformen verwende. Ich werde im Folgenden von Person sprechen und keinen Arbeitsbereich nennen, um komplette Anonymität zu wahren:

Auf der Arbeit ist heute etwas sehr Unerwartetes und Unangenehmes geschehen. Ich war gerade in der Nähe eines Kühllagers, um Flächen zu säubern und ein paar Gegenstände zu ordnen. Dann kommt eine Person von der Arbeit in diesen Bereich. Diese Person ging ins Kühlhaus, als ich diesen Bereich gerade verließ. Als die Tür hinter mir zu ging, dachte ich, ich hörte, wie eine Flasche geöffnet wurde. Könnte es sein?, dachte ich mir. Ich hatte zuvor ein paar Dinge geordnet und es gab nur eine Art von Flasche in diesem Bereich. Ich ging wieder hinein und meine Vermutung bestätigte sich leider. Die Person schenkt sich einen Wein ein und trinkt diesen, als wäre es üblich. Ich sprach die Person sofort darauf an und fragte, ob ich gerade richtig erkenne, was hier geschieht. Stört dich das etwa?, wurde ich verdutzt zurückgefragt.
Ja, sagte ich.
Oh, aber du wirst davon jetzt keinem erzählen, oder?
Doch, sagte ich.
Och, hätte ich gewusst, dass du da so bist, hätte ich das nicht gemacht.

Wow… Ich bin auf vielerlei Ebenen enttäuscht und wirklich schockiert von dem Verhalten dieser Person gewesen. Ich sagte der Person, es wäre besser, von selbst auf den Chef zuzugehen. Die Person verstand nicht einmal, warum sie das tun sollte. Ich erklärte, dass es immer besser kommt, wenn man es gesteht, anstatt, dass es jemand anderes erzählt. Auf diese Weise würde sich die Person noch die beste Chance geben, dass dieses Verhalten verziehen werden kann. Mit einem Händedruck brachte mir die Person entgegen, sich morgen selbst zu melden. Ich machte auch noch einmal deutlich, dass ich es übermorgen überprüfen werde.

Als sich unsere Wege für diesen Tag trennten, rief ich meinen Chef direkt an. Ich wusste nämlich, dass dieser mehr Kontext immer zu schätzen weiß und überlegt an eine solche Situation herangehen würde. Ich erklärte ihm die gesamte Situation und bereitete ihn schon einmal darauf vor, dass die Person vorhat, sich morgen diesbezüglich selbst zu melden. Ich würde dies dann erst übermorgen überprüfen kommen und angesprochen haben.

Durch diesen Anruf habe ich folgende Dinge meiner Meinung nach ordentlich erfüllt:

  • Ich gab der Person nach wie vor die Gelegenheit, sich von selbst zu melden
  • Mein Chef erhielt alle nötigen Informationen, um mit dieser Situation direkt geordnet umgehen zu können
  • Ich habe darüber reden können und meinen Kopf entlastet

Wenn ich meinen Chef nicht so gut kennen würde, hätte ich ihm auch erst übermorgen davon berichtet. Er weiß auf eine Art und Weise zu reagieren, als wenn er es nicht zuvor erfahren hätte. So ist es für alle Beteiligten angenehmer.

Das heute zu erleben, war mir sehr unangenehm. Im Alltag bekomme ich viele Handlungen mit, die mal so unter der Hand geschehen, und auch wenn mir Kollegen indirekt anbieten, mich am Betrieb zu bereichern, möchte ich davon kein Teil sein. Über vieles kann ich noch hinwegsehen und muss es nicht dem Chef melden. Sonst sind alle Kollegen auch echt toll. Doch wenn Alkohol im Spiel ist, ein Nervengift, welches nicht nur die Person selbst, sondern auch Kollegen in Gefahr bringen kann, und zudem aktiv Diebstahl betrieben wird, werde ich das niemals ignorieren. Das übersteigt meine Schmerzgrenze bei weitem.

Dass diese Person auch keinerlei Bewusstsein für ihr miserables Verhalten aufwies, erschreckte mich. Ich hoffe, die Person reflektiert und teilt dem Chef morgen selbstständig mit, was geschehen ist. Hoffentlich kommt so etwas nicht noch einmal vor

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