Wochenlange Planung mit Erfolg
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Mein Date spielt im Theater. Vor ein paar Wochen teilte sie mir das Datum der Premiere ihres aktuellen Stücks mit. Leider musste ich direkt absagen, da ich an diesem Abend arbeiten musste, und so sagte ich ihr, dass ich zu dem Stück in zwei Wochen erscheinen werde. Später am Abend teilte sie mir noch eine andere Sache mit. In den 10 Jahren, die sie nun schon Theater spielt, erhielt sie nie Blumen, und sie würde sich sehr gerne welche von mir wünschen. Was für eine Ehre, dachte ich mir. Das ist ein Moment, den ich wirklich besonders umsetzen möchte, und so begann ich damit, alles in die Wege zu leiten, um sie zu überraschen.
Noch am selben Abend organisierte ich einen Schichttausch mit einer Kollegin, sodass ich in der Früh arbeiten kann und somit am Abend Zeit für die Premiere habe. Es war gut, das so früh zu klären, da viele Ränge im Saal bereits ausverkauft waren und ich mir trotz der hohen Nachfrage doch noch eine Karte kaufen konnte. Meinem Date erzählte ich jedoch nichts davon. Ich ließ sie nach wie vor in dem Glauben, dass ich an diesem Abend arbeiten müsse. Lügen ist eine Sache, die normalerweise unmöglich für mich ist, da ich selbst kleine Notlügen mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Doch wenn es um eine Überraschung und besonders darum geht, jemandem etwas Wohlwollendes zu tun, fällt es mir sehr einfach, die Fäden zu ziehen und jedes Wort kalkuliert auszusprechen.
Schließlich hatte ich auch damit begonnen, den Blumenstrauß zu organisieren. Da jeder einen kleinen, bereits gebundenen Strauß mal eben schnell aufschnappen kann, wollte ich für sie einen größeren, durchdachteren in Auftrag geben. Das einzige, was sie mir zum Blumenstrauß sagte, war, dass sie keine roten Rosen darin haben möchte. Sie mag das Klassische an dieser Blume nicht, und da bin ich auch voll bei ihr. Das sind zwar nicht viele Informationen darüber, was ihr wiederum gefallen könnte, doch ich erinnerte mich noch daran, wie wir an einem unserer ersten Treffen an einem Blumenfeld vorbeigingen und sie über die Schönheit und Vielfalt von Tulpen sprach. Mitte letzter Woche gab ich daher beim Floristen folgenden Strauß in Auftrag: Tulpen, bitte schön groß den Strauß, nehmt euch die Freiheit zum Auszutoben. Meiner Meinung nach ein Erfolgsrezept, und das Ergebnis hat sich wahrlich sehen lassen. In dieser Woche bis zur Abholung kümmerte ich mich noch um einen persönlichen Touch. Klassische rote Rosen mag sie zwar nicht, jedoch mag sie grundsätzlich selbst Gebasteltes. Eine aus Papier wäre mir jedoch zu instabil gewesen, weshalb ich mich dazu entschied, mir ein Legoset zu kaufen und eine Rose aus diesen Steinen zu bauen. Dadurch ist sie viel voluminöser und wesentlich langwidriger. Ich setzte sie in die Mitte des Straußes ein.
Auch wenn mir für Überraschungen lügen deutlich einfacher fällt, war es an manchen Stellen dennoch knifflig, ihr mein Erscheinen bei der Premiere zu verheimlichen. Diese Woche übernachtet sie nämlich bei mir, da sie von mir aus ihren Arbeitsalltag, die täglichen Proben sowie andere Termine besser erreichen kann. So hat sie weniger Fahrzeit, die sie auf sich nehmen muss, und hat dafür mehr Zeit für den benötigten Schlaf. Nur um meine Überraschung einfacher aufrechtzuerhalten, konnte ich ihr diesen Gefallen nicht abschlagen. Ich musste meine Vorbereitungen jetzt wesentlich besser managen. Mich im Alltag auch nicht zu verhaspeln, zeigte sich als Herausforderung. Doch das Schwierigste war für den Tag der Premiere einen Grund zu initiieren, der erklären würde, warum ich meine Wohnung so früh verlasse, wenn ich eigentlich erst am Abend arbeiten müsste. Ihr zu sagen, dass ich ihr genug Raum geben möchte, damit sie sich mental auf den Abend einstellen kann, und ich mir den Vormittag gerne zum Lernen nehmen möchte, reichte zum Glück aus, dass sie nicht weiter nachfragte. Ich sagte ihr auch, dass ich zu meinem Arbeitsplatz gehen werde, um zu lernen, damit sie dort nicht spontan auftaucht, weil sie in ihrer Freizeit unabhängig von mir sehr gerne dort ist. All dies ist mir glücklicherweise gut gelungen, in Gesprächen mit ihr einzupflegen.
Nach meiner Frühschicht wartete ich noch eine Dreiviertelstunde, bevor ich den Strauß abholte. In diesem Zeitraum hätte ich ihr nämlich auf ihrem Weg zum Theater begegnen können, und hätte sie mich gesehen, hätte ich keine ausreichende Erklärung dafür gehabt, warum ich nicht auf der Arbeit sei. Als ich nach dem Abholen noch einen Zwischenstopp zu Hause machte, um mich fertig zu machen, wollte ich abermals sichergehen, dass sie meine Wohnung auch tatsächlich verlassen hatte. Ich wollte nicht riskieren, dass sie sich aus welchen Gründen auch immer noch nicht auf ihren Weg begeben hatte. Daher klingelte ich dreimal. Bei jedem Mal ging ich ein paar Schritte von der Tür weg. Soweit weg, dass ich außer Sichtweite wäre, sollte sie aus der Haustür kommen, und nahe genug dran, um zu hören, ob sie die Gegensprechanlage benutzt. Schließlich konnte ich mir nach den drei Malen Klingeln sicher sein, dass sie weg war.
Eine Stunde später war es auch an der Zeit, mich auf den Weg zum Theater zu machen. Angekommen war ich noch vorsichtig, bevor sie sich irgendwo im Zuschauerbereich aufhielt. Auch haben andere Besucher mir Komplimente für den Blumenstrauß gegeben, was mich unendlich freute. Irgendwann konnte ich mich von der Vorsicht befreien und die Atmosphäre genießen. Für Theater, gar Kunst im Allgemeinen, hatte ich früher nichts übrig. Zu Schulzeiten war es nie ein freiwilliger Besuch für mich, sondern immer eine zum einschlafende Pflicht. Im Theater bin ich heute das erste Mal aus eigener Motivation und das Stück fand ich grandios. Die bewegenden und ständig wechselnden Bühnenelemente sowie das konstante Brechen der vierten Wand, haben mir viele Lacher und Einblicke in eine Vielfalt von Gestaltungsformen beschert.
Nach Ende des Stücks war es dann soweit. Der Vorhang war zunächst zu, doch nur ein paar Minuten später, als der Saal leer war, öffneten sie diesen wieder und begannen mit dem Aufräumen. Auch sie war dann wieder auf der Bühne und nach einem lauten Reuspern meinerseits bemerkte sie mich im Zuschauerrang. Sie hatte wirklich keine Ahnung, dass ich da sein würde, und sie freute sich sehr über die Blumen. Die Lego-Rose hielt sie für genauso toll, wie ich es mir vorstellte. Später ging es noch zu einer kleinen Aftershow-Party für die Schauspieler und die Gäste, die sie mitbrachten. Ich bediente mich dort noch ein wenig am Buffet, spielte mit ein paar Leuten ein paar Runden Billard und zu guter Letzt noch eine Partie Tischkicker gegen mein Date.
Ich machte mich dann etwas früher auf den Weg nach Hause, da ich bereits einen langen Tag hinter mir hatte und Schlaf gebrauchen konnte. Sie hat noch meinen Zweitschlüssel, um später hinterherkommen zu können.
Es war ein guter Tag und ich bin sehr stolz, wie ich alles habe umsetzen können. Überraschungen kann ich relativ gut umsetzen und das freut mich sehr

