Aktuell ist alles etwas viel


4–6 Minuten

|

894 Wörter

|


Ich hatte einen rückblickend holprigen Ausbildungsstart. Ich wurde mehrmals krank und achtete insgesamt kaum auf mein Wohlbefinden. In dieser Woche stießen allgemeine organisatorische Dinge im Leben sowie, aufgrund eines Praktikums, neue Schlafzeiten aufeinander. Normalerweise wäre so etwas für mich kein Problem, doch irgendwie traf es mich sehr hart. Auch, wenn es mir gesundheitlich gut geht, schlug es mir sehr auf die Psyche. Weil ich nicht klar im Kopf war und massive Konzentrationsstörungen bemerkte, meldete ich mich gestern sowie heute krank. Ich sprach ausführlich mit zwei Freunden darüber, wie es mir geht. Danach entschied ich mich dazu, mich morgen auch noch krank zu melden, um mir ausreichend Erholung zu schenken und langsam wieder Fahrt aufnehmen zu können.

Nach einem der Gespräche erhielt ich auch noch zwei tolle Reflexionsfragen zurück. Im Folgenden die Fragen sowie meine Antworten darauf:

Was ist der Grund hinter den Gründen / die Quelle deiner Unzufriedenheit mit dem Start in die Ausbildung?

Ich hatte den Wechsel von einer Vier- auf eine Sechs-Tage-Woche unterschätzt. Ich nahm mir in den ersten eineinhalb Monaten genauso viel Zeit für soziale Kontakte, wie vorher, und es blieb keine Zeit für mich, Zeit zum Durchatmen und einfach mal nichts tun, übrig. Die Rückenschmerzen von Woche zwei bis einschließlich vier schränkten mich zudem sehr in meiner Bewegung ein. In meinem vorherigen Alltag war ich sehr aktiv, auf der Arbeit sowie in meiner Freizeit, und der Wechsel zum primären Sitzen in der Schule und dazu, mich in meiner Freizeit nicht bewegen zu können, war sehr schwer. Ich hatte darin auch eine Gelegenheit verpasst. Die Gelegenheit, meine Bewegungslust direkt in meinen neuen Alltag zu integrieren. Seit diesen Schmerzen und der Schule, nahm meine Bewegungslust sehr stark ab. Dadurch sank mein Wohlbefinden stets ein wenig weiter und ich glaube, dass es einer der Hauptgründe ist, warum ich zwei Mal krank wurde. Mein Körper konnte sich nicht mehr so viel zumuten, wie noch vor zwei Monaten. Normalerweise hatte ich mir nie zu viel vorgenommen bzw. bin mit allem, was mir der Alltag oder das Leben hingeworfen hatte, zurechtgekommen. Physisch und psychisch. Doch seit Beginn der Ausbildung sind meine Wohlfühlfaktoren nach und nach eingebrochen. Bewegung (Sport, Arbeit, Spaziergänge), Arbeiten an Projekten, spontane Ausflüge, viele Treffen mit Menschen und ich hänge mit meinem täglichen Schreiben, meiner Reflektion über meine Emotionen sowie Wertschätzung über meine alltäglichen Geschehnisse, sehr hinterher. Jeden Abend schreibe ich mir noch meine Stichpunkte auf, doch ich formuliere sie immer unregelmäßiger aus. Es ist die Methode, die mein Wohlbefinden stützt, und die Kraft, die ich vor der Ausbildung hatte, alles Mögliche zu machen oder zu bewerkstelligen, ist sehr geschwunden. Ich bin ein Mensch, der weniger Disziplin bzw. aus Gewohnheit heraus macht, sondern vielmehr aus der Motivation und Kraft, die ihm täglich zur Verfügung stand. Ich hatte mir diese innerhalb der letzten zehn Jahre nach und nach errichtet. Eine unerschöpfliche Quelle, durch die Arten und Weisen, wie ich mein Leben zuvor führte. Meine Freiheiten und meine Flexibilität sind nun nicht mehr vorhanden, was mich in meiner Art immer weniger lebensfroh macht. Das stört und macht mich sehr traurig.

Was brauchst du oder kannst du für dich tun, um damit abzuschließen und positiv gestimmt nach vorn schauen zu können?

Damit abzuschließen, fiel mir extrem schwer, seit ich vor ca. einem Monat erkannte, wie sehr die Ausbildung an mir nagt. Ich glaube, ich musste diesen Lebenswechsel vielmehr verarbeiten, als es mir bewusst war. Früher konnte ich sehr viel, sehr schnell akzeptieren. Das jeweilige Thema oder der jeweilige Konflikt trug sich dann in meinem Hinterkopf weiter aus, bis er sich dann irgendwann final klärte. Durch meine unerschöpfliche Quelle der Kraft durch meine Alltagsgestaltung, war das sehr einfach für mich. Nichts hatte ich jemals verdrängt. In meinem Kopf, sogar in meinen teils luziden Träumen oder in Gesprächen mit anderen habe ich Konflikte stets auflösen können. Ich war für mich das einfachste und schnellste der Welt. Doch meine Kraft dafür und für alles andere nahm extrem ab. Ich glaube, ich befinde mich jetzt gerade in einem Übergang. Noch habe ich damit nicht abgeschlossen, doch werde es vermutlich demnächst haben. Dieser Verarbeitungsprozess braucht für seine eigentliche Einfachheit des Themas nur länger, als ich es sonst gewohnt bin. Oder vielleicht schätze ich es auch als zu einfach ein und es ist unabhängig von meiner aktuellen Kraft ein sehr schweres Thema. Was ich brauche, um positiv gestimmt nach vorn schauen zu können, ist mehr Kraft. Kraft, die ich nun wieder aus meinen vorherigen, nun eingeschränkteren Quellen beziehen muss sowie neuen, die mir noch unbekannt sind. Mit den Basics werde ich nun nach und nach wieder beginnen. Ohne Druck, den ich mir zunächst machte, seit ich mir meiner Lage vor einem Monat bewusst wurde. Auch muss ich lernen, öfter Nein zu sagen. Nein sagen zu Einladungen anderer, stundenlangen Telefonaten sowie meiner Initiierung von Verabredungen. Früher war es die hohe Quantität meiner Quellen, die für meine Kraft und meinen Frohsinn sorgte, heute muss ich effizienter werden und auf die Qualität achten. Das ist für mich das Nervigste, doch nun mitunter der Hauptgrund, warum ich diese Ausbildung fortführen werde: Weil sie mich wachsen lassen wird. Sie wird mich primär dahingehend weiterentwickeln, dass ich effizienter in der Wahl meiner Quellen werde, mein Wohlbefinden dadurch langfristig untermauere und noch zufriedener im restlichen Verlauf meines Lebens sein werde. Denn ich werde unweigerlich lernen, meine wichtigste Ressource drastisch besser zu verwenden, als zuvor. Meine Zeit.

Darauf, dass es gut weitergeht

Weitere Inhalte zu ähnlichen Themen 👇
,