Und sie war dankbar dafür
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Eine Stammgästin erzählte mir heute, wie sie sich von zu Hause ausgesperrt hatte und wie gut ihr der Tag dadurch letztendlich tat. Sie stand im Hausflur vor ihrer Wohnungstür, weil sie schnell etwas nachsehen wollte. Kaum stand sie außerhalb ihrer Wohnung, fiel ein Gegenstand um, der gegen ihre Tür prallte, und zack, war sie ausgesperrt. Sie war überrumpelt und wusste gar nicht, wohin mit sich. Schlüssel, Portemonnaie und Handy lagen drinnen. Mit Nachbarn in ihrem Haus hatte sie auch keinen guten Kontakt.
Mein Arbeitsplatz ist für viele Leute ein Treffpunkt. So auch für sie und die Person, die ihren Zweitschlüssel hat. Sie machte sich auf den Weg dorthin, in der Hoffnung, diese Person zu treffen. Auf ihrem Weg begegnete sie in ihrem Örtchen noch einem Bekannten. Nachdem sie ihm von ihrer Situation erzählte und wie sie ohne alle Mittel unterwegs ist, kaufte er ihr etwas zu essen und gab ihr noch 30€ auf die Hand, in der Hoffnung, dass sie damit vorerst weiterkommt. Ihr kam es sehr gelegen, da sie auch ihr Bahnticket nicht dabei hatte und sich somit eine Einzelkarte kaufen konnte. Nach ein paar Stunden des Hin und Her, kam sie schließlich bei uns, am Treffpunkt, an. Sie stieß zwar nicht auf die Bewahrerin ihres Zweitschlüssels, aber auf jemand anderen aus ihrer Gruppe, der ihre Telefonnummer hatte.
Sie erzählte mir von alldem, als sie gerade auf ihren Zweitschlüssel wartete, bis er vorbeigebracht wurde. So nervig und ungelegen diese Situation für sie war, empfand sie den Tag dennoch als richtig schön. Komplett abgeknipst zu sein, sich um Biegen und Brechen zurechtzufinden sowie die Güte ihrer Mitmenschen zu erhalten, berührte sie sehr.
Für mich ist es genau der Grund, warum ich regelmäßig mein Handy zu Hause lasse oder mit eingeschaltetem Flugzeugmodus tief im Rucksack verstaue. Auf täglicher Basis an diesen kleinen Supercomputer, der in unsere Hosentasche passt und versucht, unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, gebunden zu sein, lässt uns vieles, was uns umgibt, schwieriger erkennen und wertschätzen.
Eine schöne Erinnerung, die sie heute für sich hatte

