Wenn man von Obdachlosen angelogen wird

Konsequenzen, die gar nicht so offensichtlich sind


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Heute stand ich am Bahnsteig auf dem Weg zu einem Freund. Ich hatte mir noch etwas zu essen vorbereitet und zum Bahnsteig mitgenommen, da ich kurz vorher noch Sport gemacht hatte und großen Hunger hatte. Eine Dose gefüllt mit einer warmen Süßkartoffel sowie Tomaten, Gurke und Feta.

Als ich aß und auf meinen Zug wartete, sprach mich ein Obdachloser an. Sehr höflich, bat er mich zunächst um seine Aufmerksamkeit und fragte mich daraufhin, ob ich Geld für ihn hätte, damit er sich etwas zu essen kaufen kann. Ich sagte ihm, dass ich kein Bargeld dabei hatte, was auch der Wahrheit entsprach, jedoch bot ich ihm etwas von meinem Essen an. Er seufzte lediglich und ging weiter.

Lügte er mich an? Wollte er das Geld nicht für Essen haben, sondern für anderweitiges? So zumindest erscheint es mir. Auch, wenn Essen nicht einmal seine Hauptintention war, hätte er mein Angebot wahrnehmen können. Stattdessen war er scheinbar viel zu versteift auf Geld oder gar nicht, statt eine Möglichkeit, die ich ihm bot, wahrzunehmen. Jetzt zum Abend hin ärgere ich mich nicht weiter, am Nachmittag tat ich es jedoch. Lügen geht mir sehr gegen den Strich, und was ich so schade finde, ist, dass er durch das Ablehnen meines Angebots mich indirekt damit prägt, dass Obdachlose Lügner seien. So mag es vielleicht sein, dass ich dem Nächsten, der mich um Essen oder Geld für Essen bittet, nichts geben würde, weil ich mir in dem Moment denken mag, dass meine Güte ohnehin nichts bringt.

Durch diese indirekten Prägungen, sei es bei mir oder anderen Menschen, werden anderen Obdachlosen, die es ehrlich meinen, Chancen genommen, und das finde ich schade

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