Überraschung beim Morgenspaziergang

Es war nicht Teil meines üblichen Ablaufs


2–3 Minuten

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426 Wörter

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Heute war ich wie an den meisten Tagen auf meinem Morgenspaiziergang gewesen und dieser läuft so ziemlich immer gleich ab: Erst bin ich komplett müde, ab einem gewissen Punkt werde ich langsam wacher und zum Ende hin sind mein Körper und Kopf voll da. Zum Zeitpunkt meiner totalen Müdigkeit jedoch wurde ich von jemandem angesprochen. Es gab einen Moment, in welchem ich lauthals gähnte und jemand, der gerade auf meinem Weg war, meinte daraufhin zu mir: „Tut richtig gut, morgens herauszugehen, oder?“

Zunächst war ich überrascht. Ich beginne jeden Tag still für mich. Nie spricht mich jemand an. „Was will dieser Typ von mir?“, dachte ich für einen kurzen Augenblick, bis ich mich schließlich doch auf ihn einließ und zurücksagte: „Jeden Morgen. Für mich ist es das beste Mittel, um wach zu werden.“ Für ca. vier Minuten gingen wir gemeinsam weiter. Zu meiner vorherigen Aussage ergänzte ich, dass es für mich morgens die Summe aus Tageslicht, frischer Luft auf meiner Haut und Wassertrinken ist, die mir hilft, wach zu werden. Auch wie ich jeden Morgen den gleichen Prozess des Wachwerdens durchlaufe und wie er mich noch knapp in der totalen Müdigkeit erwischte. Er erzählte mir daraufhin, wie er mal ein Auslandssemester in Hawaii hatte mit einem Balkon in Richtung Sonnenaufgang. Als Mitteleuropäer jeden Morgen diese einzigartige Sonne abzubekommen, war fabelhaft und nicht vergleichbar, meinte er. In seinem Alltag in Deutschland merkte er jedoch, dass diese Qualitätssonne nicht notwendig für ihn ist. Ein kurzer Spaziergang am Morgen und ein wenig Tageslicht auf dem Weg zur Arbeit sind für ihn absolut ausreichend für einen guten Tagesstart.

Als wir uns an der nächsten Abzweigung trennten, fragte ich ihn noch kurz, was seine Motivation war, mich anzusprechen. Er sagte, dass er nach einem langen Tag gestern und durch ein spätes Telefonat nicht wie sonst ausreichend geschlafen hatte. Mein Gähnen brachte wohl perfekt zum Ausdruck, wie er sich in dem Moment fühlte, und das war ihm sympathisch. Wir gaben uns einen Fistbump und gingen unserer Wege.

Respekt an diesen Mann. Ich weiß, dass ich in dieser Phase meines Tages nach außen hin nicht ansprechbar aussehe, und dennoch tat er es. Mit seinem kurzen Kommentar testete er das Wasser. Wenn ich nicht bereit gewesen wäre, das Gespräch aufzunehmen, wäre es für ihn wahrscheinlich vollkommen in Ordnung gewesen. Allerdings ging auf seine Einladung zu reden ein und bescherte uns beide mit einem zwar kurzen, jedoch unglaublich netten Austausch.

Vielleicht werde ich mal wieder mehr Menschen einfach so ansprechen. Heute war es richtig schön angesprochen zu werden

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