Oberstes Lob erhalten

Handlungen, die Jahre zurückliegen, haben etwas bewirkt


2–3 Minuten

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Eine Arbeitskollegin sah mich auf der Arbeit, naja, am Arbeiten. Was genau meine Aufgabe in dem Moment war, möchte ich gerne für mich behalten, weil ich sonst zu viel über meinen Job preisgeben würde, und das möchte ich nicht. Jedenfalls hatte sie in dem Moment sehr bewundert, wie ordentlich ich meine Arbeit machte. Voller Herz und Hirn, als hätte ich in meinem Leben noch nie etwas anderes gemacht, meinte sie. Dann fiel ihr im gleichen Atemzug eine Situation von vor zwei Jahren wieder ein.

Eines Abends, als wir beide Spätschicht hatten, streikte der Nahverkehr und sie wäre nicht nach Hause gekommen bzw. nur mit zu teurem Taxi. Ich bot ihr damals an, bei mir auf dem Sofa zu übernachten, und das nahm sie dankend an. Sie musste daran denken, weil sie auch an diesem Abend mein Herz und Hirn erleben durfte. Wie ich ihr unter anderem noch Abendessen machte und eine Wärmflasche unter ihre Decke legte, damit es angenehm warm ist, wenn sie sich schlafen legt, behielt sie in Erinnerung. Bis sie mir davon erzählte, erinnerte ich mich nicht mehr daran, und ich war hin und weg von ihren Worten.

Ein paar Stunden später kam es zu einer weiteren, ähnlichen Situation. Unser oberster Chef war für ein paar interne Besprechungen vor Ort. Als sie fertig waren, suchte er mich gezielt auf. Unter anderem sprach die Chefetage wohl über die Mitarbeiter und allgemein die Angestelltenverhältnisse im Betrieb. Er wollte mir persönlich mitgeben, wie schade er es aus betrieblicher Sicht findet, dass ich in ein paar Monaten eine Ausbildung beginne und nicht mehr in der gewohnten Häufigkeit da sein werde. Gleichzeitig meinte er jedoch auch, dass er sich riesig darüber freut, dass ich noch als Minijobber zumindest einmal pro Woche da sein werde, und aus persönlicher Sicht freut er sich über die Schritte, die ich in meinem Leben tätige. An viele meiner Worte und Inhalte aus E-Mails erinnerte er sich noch. Er liebt es, wie ich bei allem immer voller Herzblut und so gewissenhaft dabei bin. Es sei schön, das nicht komplett zu verlieren, meinte er.

Zwei Menschen, unabhängig voneinander, brachten mir heute diese Worte entgegen. Ich weiß von mir selbst bereits, wie viel Gewissheit ich an jeden Tag lege. Dass jedoch meine Arbeit und Mühe, all die Kleinigkeiten, um die ich mich kümmere, anderen Menschen noch Jahre später im Gedächtnis bleiben und so sehr geschätzt werden, ist mitunter das Schönste für mich.

Ich erwarte kein Lob und handle, wie ich handle, aus Prinzip. Es ist jedoch gut, es zu erhalten. Viele Leute öffnen oft nicht ihren Mund, und dass diese zwei Menschen es heute taten, zeigte mir, dass ich mit meinem Handeln auch im Alltag von anderen viel Positives bewirke.

Ich danke euch für eure Worte. Irgendwann in meinem Leben, wenn Zweifel beginnen, mich zu übernehmen, wird mir die Erinnerung daran helfen, stark zu bleiben

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