Ich spüre das erste Mal wahre Harmonie zwischen mir, meiner Mutter und meinen Großeltern
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Die Beziehung zu meiner Familie war für mich jahrelang sehr schwierig. Was ich ihnen lassen muss, ist, dass sie mich in meiner Kindheit finanziell sehr unterstützten und mir oft auch einfach mal so Geld gaben, seitdem ich von zu Hause ausgezogen war. An emotionaler Unterstützung mangelte es jedoch sehr. In meinen Jugendjahren ging es mir miserabel und man unterstützte mich in dieser Hinsicht nicht wirklich. Man wusste vielleicht nicht wie, Versuche gab es jedoch auch keine, an die ich mich erinnere.
Als ich 2021 nach meinem Abitur eine Ausbildung begann und diese dann aus eigenen Gründen abbrach, zeigte man mir keinerlei Verständnis oder den Versuch, mich zu verstehen. Ich wollte erst einmal arbeiten, Social Skills sammeln und das Leben besser verstehen. So viel aufholen, wozu ich in meiner Jugend mental keine Möglichkeit hatte, es zu lernen. Ein stabiles Fundament bilden, auf welchem ich künftig aufbauen kann. Doch das war nie das Fundament, das man sich für mich vorstellte, und deshalb wurde es immer als nicht gut abgestempelt. Meine Familie redete immer auf mich ein. Kein Gespräch in den letzten Jahren, in welchem ich nicht gefragt worden bin, wann ich wieder eine Ausbildung oder ein Studium beginnen werde. Zu übel nahm ich es ihnen nie, denn sie wollten immer nur auf ihre Weise, dass es mir gut geht. Allerdings war es anstrengend und hat meine Reise alles andere als angenehmer gemacht.
Meine Mutter sah mit der Zeit, wie gut es mir im Leben geht und was aus mir geworden ist, zu wem ich geworden bin. Sie sah, dass ich nicht nur im Leben funktioniere, sondern mein Leben aktiv gestalte. Dass ich mich auch ohne Ausbildung stets weiterbilde und Kompetenzen erlange, mit denen sie nie rechnete. Für sie war eine Ausbildung oder dergleichen nach der Schule immer noch ein bzw. der sichere Schritt. Doch sie konnte immer besser erkennen, dass es, zumindest in meinem Falle, auch ohne geht.
Letztes Jahr gab es einen Moment, an dem ich realisierte, dass ich dort angekommen war, wo ich sein wollte. Ich hatte das Fundament bilden können, für welches ich meine Ausbildung abbrach und von zu Hause auszog, und war bereit, darauf aufzubauen. Ich fand einen Ausbildungsgang, welcher mich extrem interessierte, und trotz eines sehr harten Bewerbungsprozesses schaffte ich es, mir dort einen Platz zu sichern. Ich weiß bisher nicht, ob ich den Berufszweig später angehen möchte, doch das Wissen will ich haben. Meine Priorität mit dieser Ausbildung ist daher nicht die mögliche Stabilität in der Berufswelt, anders als meine Familie es immer für mich wollte.
Als ich meiner Mutter von meiner Bewerbung erzählte, bat ich sie darum, zunächst meinen Großeltern davon zu erzählen. Anders als meine Mutter, waren sie noch nicht an dem Punkt, an dem sie meine Motivation hinter dem Abbruch und Auszug verstehen und mich als Menschen gar nicht wirklich kennen. Ich wollte erst, dass sich das ändert. Wenn ich es ihnen direkt erzählt hätte, dann würde es nur dort weitergehen, wo wir vorher auch schon waren: Nur Interesse für meine Ausbildung bzw. mein Berufsleben und nicht für mich als Menschen. Das ist eine Beziehung, die ich so nicht hätte weiterführen wollen, und als Gefallen meiner Familie gegenüber wollte ich mir die größte Mühe geben, dass wir eine ordentliche Beziehung zueinander entwickeln.
Heute wollte ich meine Oma anrufen. Sie hatte vor ein paar Tagen Geburtstag und ich melde mich immer lieber erst, ganz unabhängig von der Familie, ein paar Tage danach, wenn der ganze Glückwunsch-Trubel sich gelegt hat. Außerdem möchte ich Geburtstage nicht als Anlass nehmen, mich bei jemandem zu melden, denn ich möchte es vielmehr aus eigener Motivation heraus tun, aufgrund meines Interesses an einem anderen Menschen. Jedenfalls, ca. eine halbe Stunde bevor ich vorhatte, sie anzurufen, kam ein Anruf von ihr. Perfekt, dachte ich mir, vielleicht erzähle ich ihr es heute. Nachdem wir einen Augenblick quatschten, fragte ich sie ganz direkt, wie sie heutzutage auf meine damaligen Entscheidungen blickt. Im letzten oder vorletzten Gespräch mit ihr hatte sie bereits gezeigt, dass sie merkt, wie gut es bei mir im Leben läuft und wie es mir geht. Auch zu welchem Menschen ich mich entwickelt hatte, und ich wollte mit dieser direkten Frage herausfinden, ob sich diese Ansicht, dieses Verständnis bei ihr gefestigt hatte.
Was ich von ihr bekam, war eine wirklich reflektierte Antwort. Sie sieht eine Ausbildung zwar immer noch als den Weg, weiß jedoch in meinem Fall zu differenzieren. Sie hört immer wieder, wie man es heute anders machen kann, und hat mit mir ein anschauliches Beispiel dafür. Diese Antwort war genau das, was ich hören wollte. Nicht wegen Eigenbestätigung, sondern weil diese Antwort zeigt, dass sie mich versteht. Dann erzählte ich ihr von meiner angehenden Ausbildung. Von der gesamten Geschichte der Bewerbungsphase, meiner Motivation dahinter und über alles, was sonst noch damit einhergeht. Sie war überwältigt von dieser Informationsflut, im positiven Sinne, und ich glaube auch für die mir richtigen Gründe. Nicht, weil eine Ausbildung ihr Wunsch für mich war, sondern weil ich es so möchte.
Ich bin froh, wie ich diese gesamte Situation über die letzten Jahre angegangen bin. Ich habe Geduld bewiesen und für mich immer eingestanden. Diskussionen über meinen Weg und mich angeregt, um verstanden zu werden. Ein einzelnes Gespräch kann bei festgefahrenen Köpfen aus anderen Generationen nichts bewirken, aber die Menge und Zeit können es.
Danke, dass ihr mich nun endlich versteht, meinen Weg akzeptiert und mich als den Menschen seht, der ich bin

